Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung

Ich benötige Hilfe

Gastbeitrag von Ulrich Rommel

Wo stelle ich den Antrag?  Welche Unterlagen benötige ich?

Wenn Sie selbst pflegerische Hilfe benötigen können Sie dies bei ihrer Pflegekasse zumeist einfach und telefonisch beantragen oder mit einem Zweizeiler in der Art

…beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung…“.

Die Pflegekasse wird ihnen dann einen Fragebogen zusenden, in dem sie vor allem um Angaben zum Hilfebedarf gebeten werden.

Wenn sie diesen zurückgesandt haben kommt innerhalb vier Wochen eine Mitarbeiterin des Medizinischen Dienstes (MDK) zur Pflegebegutachtung und überprüft den Pflegebedarf. Für diesen Besuch ist es hilfreich Arztunterlagen (z.B. Medikation oder Diagnosen) oder aber auch den Entlassbrief vom letzten Krankenhausaufenthalt parat zu haben.

Die Gutachterin schickt ihr Gutachten an die Pflegekasse und von dort bekommen sie einen Bescheid, welche Pflegestufe Sie erhalten haben und welche Leistungen Sie erhalten werden. Haben Sie zusätzlich einen Zuschuss zur Wohnraumannpassung beantragt, wird das auch in diesem Rahmen geprüft und genehmigt.

Wenn sie das Pflegegutachten einsehen möchten, können sie es bei der Pflegekasse beantragen und es wird Ihnen zugesandt. Meist fragen die Gutachter dies schon bei der Begutachtung ab und sie bekommen das Gutachten dann gleich mit dem Bescheid zugesandt. Dies macht vor allem Sinn, wenn sie nicht mit der Pflegestufe einverstanden sind bzw. diese Abgelehnt wird.

Gegen den Bescheid der Pflegekasse können Sie normalerweise innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen. Zur Fristwahrung genügt, dieses schriftlich anzukündigen. Eine Begründung können Sie dann nachliefern, nachdem Sie das Gutachten selbst oder mit der Hilfe von fachlicher Beratung geprüft haben.

Spritzen, Medikamentengabe, Verbände…

Wenn Sie Hilfe bei der Medizinischen Behandlungspflege (Spritzen, Medikamentengabe, Verbandswechsel, Spritzen_MedikamenteKatheterpflege oder –wechsel, etc.) durch einen Ambulanten Pflegedienst benötigen Sie dafür eine Ärztliche Verordnung, die Sie zur Genehmigung zur Krankenkasse schicken müssen und erhalten Sie von dort in aller Regel genehmigt zurück. Die Einholung der Genehmigung übernimmt in aller Regel der Pflegedienst für Sie.

Rollstuhl, Bett, Rollator…

Rollstuhl_RollatorWenn Sie Pflegehilfsmittel benötigen, erhalten sie diese auf Rezept entweder durch die Krankenkasse (z. B. Rollstuhl, Rollator, etc.) oder über die Pflegekasse (Pflegebett, Notrufsystem, Lagerungshilfsmittel, etc.)  über ein Sanitätshaus ihrer Wahl. Einzelne Kassen haben Verträge mit bestimmten Sanitätshäusern – in diesem Fall können Sie nicht frei wählen.

Ebenfalls auf Rezept erhalten Sie Verbrauchsprodukte (bis zu 40 € im Monat) wie z. B. Einmalhandschuhe, Betteinlagen etc. durch die Pflegekasse und Inkontinenzmaterial durch die Krankenkasse. Beides erhalten Sie in Apotheken oder im Sanitätsfachhandel.

Pflegegeld

Wenn Sie die Pflege eines Angehörigen selbst übernehmen und Pflegegeld beantragen und erhalten, muss einmal im halben Jahr ein Pflegedienst (den Sie selbst auswählen können) zum Beratungsgespräch kommen, dazu werden sie von der Pflegekasse aufgefordert und müssen dieses durch ein zugesandtes Beratungsformular nachweisen. Im Rahmen dieses Gesprächs können sie sich auch Rat und Hilfe z.B. auch in Bezug auf Hilfsmittel holen.

Für pflegende Angehörige bieten die Pflegekassen zudem Pflegekurse (meist eintägig am Wochenende) an, in denen wichtige Fragen zu Krankheitsbildern geschult werden, aber auch wie man z. B. einen Pflegebedürftigen wäscht oder ihn im Bett bewegt oder beim Aufstehen hilft. Es ist wichtig, dass sie sich als Angehörige HIlfe und Unterstützung holen. Die Pflege kann anstrengend sein und dabei sollten sie sich nicht alleine kämpfen müssen.
Die Pflegekasse bezahlt für Pflegepersonen (bei mehr als 14 Stunden Pflege in der Woche) je nach Umfang der Pflege Beiträge zur Rentenversicherung.

Wichtig ist es auch alle Belege über Zuzahlungen (Arzneimittel, Heilbehandlungen, Krankenhaus, etc. zu sammeln), denn bei einer chronischen Erkrankung wird man schon, wenn die Ausgaben über 1 % des Einkommens ausmachen, von der Zuzahlung befreit.

Die Einkünfte reichen nicht

Wenn die Einkünfte eines Pflegebedürftigen nicht ausreichen, um Pflege, Miete und Lebensunterhalt zu finanzieren, sollte frühzeitig ein Antrag beim Sozialamt gestellt werden, da dieses erst ab Antragstellung bezahlt und es dort oft eine Bearbeitungszeit von bis zu drei Monaten gibt.

Ulrich Rommel ist Altenpfleger, hat ein Studium in  Pflegemanagment und 
Theologie. Als Heimleiter des AWO Seniorenzentrums Weststadt, 
ist er neben den Bewohnern und Mitarbeitern des Pflegeheimes, 
für den ambulanten Pflegedienst der AWO und der 
Beratungsstelle Weststadt in der Magirusstraße in Ulm verantwortlich.

 

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pflege_weiter  Wer ist pflegebedürftig und was bedeutet Pflegebedürftigkeit

 

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