Eingeschränkte Alltagskompetenz

Zum 1.1.2015 hat die Bundesregierung eine Pflegereform in Kraft gesetzt. Ein groß beworbenes Ziel war die Verbesserung der Leistungen für Menschen mit Demenz. Aus diesem Grund ist der Begriff „Eingeschränkte Alltagskompetenz“ in diesem Zusammenhang wichtig. Nur wem eine Eingeschränkte Alltagskompetenz oder eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz attestiert wird hat Anspruch auf die verbesserte Leistungen.

In diesem Artikel möchte ich erklären was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Wer feststellt ob die Einschränkungen vorliegen und was dies dann für mich als Mensch mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz bedeutet.

Habe ich eine eingeschränkte Alltagskompetenz

Wenn ich eine in Folge einer Demenz, einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung Probleme im Alltag habe, bedeutet dies noch nicht, dass ich im Sinne der Pflegeversicherung in meiner Alltagskompetenz eingeschränkt bin.

Dies ist erst der Fall, wenn meine Probleme ein Ausmaß annehmen, dass ich regelmäßig Betreut oder Beaufsichtigt werden muss um nicht in Gefahr zu geraten. Welche Gefahren gemeint sind wird weiter unten noch deutlicher.

Wer legt fest wer in seiner Alltagskompetenz eingeschränkt ist

um festzulegen welche Mitglieder die Leistungen aufgrund einer eingeschränkten Alltagskompetenz erhalten haben die Pflegekasse die gleichen Unternehmen, wie bei der Pflegeeinstufung beauftragt. Zu einer Begutachtung wegen einer Pflegestufe gehört inzwischen immer die Beurteilung zur Alltagskompetenz. Es ist aber auch möglich eine spezielle Begutachtung wegen eingeschränkter Alltagskompetenz bei der Pflegekasse zu beantragen.

Dies macht Sinn, wenn ich aufgrund einer Einschränkung der Beweglichkeit die Pflegestufe 1 bekommen habe. Im Laufe der Zeit verändert sich meine Demenz und ich benötige mehr Betreuung, da ich vergesse, dass ich eine Bewegungseinschränkung habe und versuche auf Stühle zu steigen um Haushaltsarbeiten zu erledigen. Inzwischen habe ich auch noch begonnen Nachts um 3 Uhr zu beginnen das Mittagessen zuzubereiten und vergesse aber regelmäßig den Herd wieder auszuschalten. Aufgrund meiner nächtlichen Aktivitäten bin ich am Tag schläfrig und verschlafe mindestens den Vormittag.

An meinem Pflegeaufwand hat sich nichts geändert. Somit bekomme ich keine höhere Pflegestufe, aber mein Betreuungsaufwand, den ich benötige, hat sich verändert. Aus diesem Grund ist eine Beantragung zur Überprüfung meiner Alltagskompetenz sinnvoll.

Kriterien zur erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz

Die Begutachtung erfolgt anhand von 13 Kriterien. Die Fachmenschen sagen dazu ITEMS. Diese Kriterien sind festgelegt im Sozialgesetzbuch XI in §45a Abs 2. Ich nenne hier die 13 Punkte, wie sie im Gesetz stehen. Teilweise habe ich das Amtsdeutsch etwas verändert, um es nicht ganz so schrecklich klingen zu lassen.

  1. unkontrolliertes Verlassen der Wohnung
  2. verkennen oder verursachen von gefährdender Situationen
  3. unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potentiell gefährdenden Substanzen
  4. tätlich oder verbal aggressives Verhalten, weil ich die Situation falsche einschätze
  5. unpassendes Verhalten, das nicht zur Situation passt
  6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen
  7. Aufgrund einer Depression oder Angststörung, die trotz Behandlung sich nicht besser, können oder werden an therapeutischen oder schützenden Maßnahmen nicht mitgewirkt oder diese toleriert
  8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben
  9. Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus
  10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  11. Verkennen von Alltagssituationen und unpassendes Reagieren in Alltagssituationen
  12. Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten
  13. Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer Depression, die sich trotz Therapie nicht bessert

Der Gutachter stellt eine eingeschränkte Alltagskompetenz fest, wenn zwei der Punkte mit „Ja“ beantwortet werden können. Wobei darunter mindestens eine Frage der Punkte 1-9 sein muss.

Wird noch eine weitere Frage der Punkte 1-5. 9 oder 11 mit „Ja“ beantwortet, dann liegt eine in „erhöhtem Maße eingeschränkte Alltagskompetenz“ vor.

Welche Leistungen mit erhebliche eingeschränkter Alltagskompetenz

Sobald eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt, habe ich Anspruch auf Pflegegeld. Dabei ist es nicht relevant ob ich bei der Pflege Unterstützung benötige.

Dies bedeutet, auch wenn ich noch keinen Anspruch auf Pflegestufe 1-3 habe, kann ich Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen.

Bei Anspruch auf Pflegestufe und erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz erhöht sich der Betrag des Pflegegeldes bzw. der Pflegesachleistungen.

Betreuungs-und Entlastungsleistungen

Bei eingeschränkter Alltagskompetenz habe ich einen Anspruch auf 104 Euro monatlich, die ich für Betreuungs- und Entlastungsleitsungen in Anspruch nehmen kann. Dazu muss ich die entsprechenden Rechnungen bei der Kasse einreichen.

Liegt eine in „erhöhtem Maße eingeschränkte Alltagskompetenz“ vor, dann steht mir ein Betrag von 208 Euro zu.

 

 

 

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