Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Ab 1.1.2017 wird ein Mensch mit Einschränkungen in der Selbstständigkeit einem der neuen 5 Pflegegrade zugeordnet.   Dazu wurde ein neues Begutachtungsinstrument für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst oder der medicproof GmbH entwickelt. Dieses Instrument schätzt die Selbstständigkeit des Menschen  in 6 Lebensbereichen ein:

  1. Mobilität
    Positionswechsel im Bett, stabile Sitzposition halten, Aufstehen aus sitzender Position und Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereiches und Treppensteigen
  2. Kognitive und kommunikative FähigkeitenPersonen aus dem näheren Umfeld erkennen, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Gedächtnis, mehrschrittige Alltagshandlungen ausführen oder steuern, Entscheidungen im Alltagsleben treffen, Sachverhalte und Informationen verstehen, Risiken und Gefahren erkennen, elementare Bedürfnisse mitteilen, Aufforderungen verstehen, sich an einem Gespräch beteiligen.
  1. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigung von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen, Ängste, Antriebslosigkeit, depressive Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige inadäquate Handlungen
  1. Selbstversorgung vorderen Oberkörper waschen, rasieren, kämmen, Zahnpflege, Prothesenreinigung, Intimbereich waschen, duschen oder baden – einschließlich Haare waschen, An- und Auskleiden (Oberkörper an- und auskleiden, Unterkörper an- und auskleiden), Ernährung (Essen mundgerecht zubereiten/Getränke eingießen, Essen, Trinken), Ausscheiden (Toilette oder Toilettenstuhl benutzen, Folgen einer Harninkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Folgen einer Stuhlinkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Stoma), Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf im Bereich der Ernährung auslösen (nur bei Kindern von 0-18 Monaten)
  1. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungenin Bezug auf: Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen oder Sauerstoffgabe, Einreibungen, Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel, Verbandswechsel und Wundversorgung, Wundversorgung bei Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung, Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung, zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnter Besuch medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen und Besuch von Einrichtungen zur Durchführung von Frühförderung (nur bei Kindern)
  1. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer KontakteTagesablauf gestalten und an Veränderungen anpassen, Ruhen und Schlafen, sich beschäftigen, in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt und Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfeldes

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff muss also auch ein Umdenken stattfinden. Eigentlich ist aus diesem Grund schon das Wort Pflegebedürftigkeitsbegriff falsch. Es geht in Zukunft um die Ressourcen, die ein Mensch hat und inwieweit er diese nutzen kann um seine Selbstständigkeit zu erhalten. Ich glaube jetzt nicht, dass sich ein Wort wie Selbstbestimmungsbegriff oder Ressourcenbegriff durchsetzen wird. Trotz aller Änderungen, geht es doch immer noch darum, dass ein Mensch darauf angewiesen ist, dass andere Menschen ihn unterstützen oder pflegen.

In den 6 Bereichen werden die Fähigkeiten in vier Abstufungen eingeschätzt:

  • Punktbereich 0:
    keine Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen
  • Punktbereich 1:
    geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen
  • Punktbereich 2:
    erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen
  • Punktbereich 3:
    schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen
  • Punktbereich 4:
    umfassende Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Fähigkeitsstörungen

Die Punkte, die im Rahmen der Einschätzung ermittelt werden, sollen anhand eines Gewichtungssystemes am Ende der Begutachtung eine Summe ergeben, die Zwischen 0 und 100 liegt. Daraus erfolgt, dann die Zuordnung zu den einzelnen Pflegegraden.

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Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zu den Pflegestärkungsgesetzen. Bisher sind folgende Beiträge erschienen: