Krankenzusatzversicherung – Ja, Nein, Warum?

Als gesetzlich Krankenversichertem flattert bestimmt regelmäßig Post von Ihrer Krankenversicherung in ihren Briefkasten.  Sie bekommen ein Angebot über Krankenzusatzversicherungen, die ihnen ermöglichen soll, sich über den Leistungsrahmen hinaus zu versichern. Welches Angebot hier wirklich Sinn macht hängt von den eigenen Ansprüchen ab.

Guter Patient, Sehr guter Patient

Sie werden ihn sicher schon zu genüge gehört haben, den Begriff der Zweiklassenmedizin.

Vielleicht sogar schon am eigenen Leib gespürt, den Unterschied zwischen gesetzlich und privat Krankenversicherten. Es ist ärgerlich beim Arzt im Wartezimmer zu sitzen und zu sehen, dass ein Privatpatient schneller dran kommt. Wobei ich ohne Untersuchungen darüber zu kennen, davon ausgehe, dass bei der Wartezeit in der Praxis kein Unterschied mehr gemacht wird.

Außerdem ist  in den meisten der Fälle die Wartezeit in der Praxis nicht entscheidend für meine Gesundheit. Es sei denn ich bekomme einen Herzinfarkt, weil ich mich über die lange Wartezeit ärgere.

…und raus bist du!

Bei Erkrankungen des Herzens, oder einer schmerzhaften Erkrankung des Kniegelenkes wirkt sich die Wartezeit bis ich einen Termin bei einem Arzt bekomme natürlich erheblich auf meinen Gesundheitszustand bzw. auf meinen Alltag aus.

Ist es tatsächlich so, dass es zu lange Wartezeiten auf einen Termin bei einem Facharzt gibt?

Das sehen die betroffenen Ärzte anders, wie in einem Beitrag der Ärztezeitung zu lesen ist. Ende 2014 kam die Sendung Plusminus in einem eigenen Versuch jedoch auf ein anderes Ergebnis. So betrug die Wartezeit doch sehr lange.

Es ist fakt, dass ein privat Krankenversicherter Mensch bei der Terminvergabe bei einem Facharzt sicherlich bevorzugt wird. Das liegt einfach an der Tatsache, dass er mehr zur Wirtschaftlichkeit einer Praxis beiträgt, als ein gesetzlich Versicherter.

Da dieser Umstand inzwischen auch den gesetzlichen Krankenversicherung  zu Ohren gekommen ist haben einige reagiert und einen Terminservice eingerichtet. Dieser unterstützt die Versicherten bei der Terminvereinbarung bei einem Facharzt.

Aus diesem Grund würde ich eher zu einem Krankenkassenwechsel raten, wenn ihre Kasse dies nicht anbietet, als aus diesem Grund eine private Zusatzversicherung abzuschließen.

Abhilfe durch Private KrankenVOLLversicherung

Wenn ich eine private Krankenversicherung abschließe, hat es aus medizinischer Sicht und aus Sicht meiner Gesundheit Vorteile.

Aber um eine private Krankenversicherung abschließen zu können muss ich bestimmte Zugangsvoraussetzungen erfüllen.

Entweder ich verdiene als Angestellter über 4.575,00 € im Monat oder gehöre zu einer Berufsgruppe, die nicht der gesetzlichen Versicherungspflicht unterliegen. Welche Zugangsvorraussetzungen für eine Privatekrankenversicherung gelten können sie im PKV-Wiki nachlesen.

Spiele ich mit dem Gedanken eine private Krankenversicherung abzuschließen ist es wichtig, die Tarife vergleichen und besonders darauf zu achten, dass die Beiträge im Alter nicht immens steigen. Es gibt heute viele privat Versicherte, die sich die Beiträge zu Ihrer privaten Krankenversicherung kaum noch leisten können.

Private Krankenversicherung: hier finden Sie Informationen über Vorteile, Leistungsumfang und Beitragshöhe.
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Spezialist bedeutet Leben

Habe ich eine Grippe oder eine Lungenentzündung muss ich sicher nicht zu einem Spezialisten. Da reicht es, wenn ich zu meinem Hausarzt gehe.

Es sieht anders aus, wenn ich eine Erkrankung habe, wie zum Beispiel Brustkrebs, eine Herzkatheter-Untersuchung benötige, oder einen Prostatakrebs diagnostiziert bekommen habe. Da ist es zur Vermeidung von Komplikationen nach dem Eingriff oder um die Heilungschancen zu steigern sehr wichtig, dass ein sehr Erfahrener Operateur mit einem sehr gut eingespielten Team den Eingriff durchführt.

Es ist heute Standard, dass wir vor einem Kauf oder der Buchung eines Urlaubs Bewertungen anderer Käufer durchlesen.

Dies gibt es inzwischen auch  für Krankenhäuser. In einem Faltblatt  des gemeinsamen Bundesausschuss sehen sie wie sie die beste Klinik für sich finden.

Zentren sind spezialisiert?

Viele Kliniken haben bestimmte Zentren, zum Beispiel ein Brustzentrum, die sind ja dann spezialisiert.

NEIN, der Begriff Zentrum ist nicht geschützt und somit gibt es keine Voraussetzungen, die eine Klinik erfüllen muss  um sich Zentrum nennen zu dürfen.

Letztendlich geht es bei unserem derzeitigen System darum, dass alle Krankenhäuser versuchen müssen ihre Kosten zu decken. Möchte man Krankenhäusern böses unterstellen, dann könnte man davon ausgehen, dass nicht immer das Wohl des Patienten im Vordergrund steht.

Krankenhäuser arbeiten zum Wohl des Patienten

Ich möchte mit der vorherigen Aussage keinem Krankenhaus Böswilligkeit oder kriminelle Energie unterstellen. Die meisten Klinikärzte handeln zum Wohl ihres Arbeitgebers und bemühen sich um das Wohl der Patienten.

Zur Verdeutlichung. Bei einem Patienten wird ein Prostatakrebs festgestellt. Jetzt hat das Kreiskrankenhaus die Möglichkeit den Patienten selbst zu operieren. Macht der Operateur dies pro Jahr über 50-mal, dann kann man davon ausgehen, dass er eine Routine auf diesem Gebiet entwickelt hat. Sie haben Recht, auch wenn ich etwas sehr oft mache, heißt das nicht, dass ich es Richtig und Gut mache.

Am Beispiel der Prostataoperation, würde ich von einem Spezialisten sprechen, wenn bei den über 50 Operationen die Quote der Männer, die danach eine Impotenz haben oder an Inkontinenz leiden, sehr gering ist.

Natürlich kann sich jeder Arzt in einer Kreisklinik gute Operationstechniken aneignen, aber wenn diese nicht regelmäßig mit einem eingespielten Team geübt werden können, ist das Risiko, dass etwas daneben geht sehr viel höher. Trotzdem wird in einer kleineren Klinik, in vielen Fällen, der Eingriff durchgeführt werden. Die Gerätschaften sind ja oft vorhanden und müssen ausgelastet werden.

Karl Lauterbach schreibt in seinem Buch: „Gesund im kranken System“ dazu:

„Allerdings ist die Tatsache, dass wir in Deutschland weitaus mehr Krankenhausbetten haben als im internationalen Vergleich, nicht notwendigerweise ein Zeichen guter Versorgung, sondern eher ein Grund zur Besorgnis, weil zu viele dieser Einrichtungen um das wirtschaftliche Überleben kämpfen und auch Eingriffe durchführen, für die sie nicht ausreichend gerüstet sind. Es fehlt ihnen an Erfahrung und qualifiziertem Personal und an der technischen Ausstattung.“

Das Buch bei Amazon:
Gesund im kranken System: Ein Wegweiser*
oder bei Bücher.de:
Karl Lauterbach: Gesund im kranken System*

Warum soll ich denn zum Spezialisten

Sie haben gesehen, es ist wichtig als Patient selbst aktiv zu werden.

Für bestimmte Eingriffe ist es wirklich notwendig von einem Spezialisten, der Trainer eines hervorragenden Teams ist, operiert zu werden. Sie haben dann eine größere Chance so behandelt zu werden, wie es für ihre Erkrankung das Beste ist und steigern dadurch ihre Chance zu einer erfolgreichen Heilung.

Bei vielen Krebserkrankungen haben wir leider nur eine Chance. Bei Knieverletzungen kann eine nicht erfolgreiche Behandlung noch einmal von einem wirklichen Spezialisten korrigiert werden. Bei Krebsbehandlungen leider nicht.

Die Grenzen unseres Gesundheitssystems

Auf der Suche nach einem Spezialisten werde ich als gesetzlich Versicherter, leider schnell an eine weitere Grenze stoßen, die unser derzeitiges Gesundheitssystem aufgebaut hat.

Ein Professor an einer Universitätsklinik kann zwischen zwei Arten von Patienten auswählen.

  1. Patient Nummer eins ist Mitglied in einer privaten Krankenversicherung ist. Wird dieser Operiert kann der Professor sehr viel Abrechnen, das unmittelbar Auswirkungen auf sein Einkommen hat.
  2. Patient Nummer zwei ist Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung. Bei einer Operation dieses Patienten verdient der Professor keinen Cent mehr.

Als Versicherter einer gesetzlichen Krankenversicherung habe ich nur zwei Möglichkeiten:

  • Ich suche mir eine private Krankenversicherung*, wenn es mir wie oben beschrieben möglich ist.
  • Ich frage bei meiner gesetzlichen Krankenversicherung nach einer Zusatzversicherung, was eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet.

Welche Zusatzversicherung ist denn nun nötig?

Betrachten wir die Zusatzversicherungen aus medizinischer Sicht, dann ist nur die Option der Chefarztbehandlung notwendig. Sie ermöglicht es bei einer Operation mehr abzurechnen und setzt einen Patienten bei einer Behandlung einem Privat-Patienten gleich.

Zusatzversicherungen, die Einzelzimmer oder ähnliches gewährleisten, mögen für den Einen oder Anderen attraktiv sein. Aus medizinischer Sicht, sind sie nicht notwendig.

Ein weiterer Vorteil der Zusatzversicherungen, auch gegenüber der privaten Krankenversicherung, ist die Tatsache,  dass sie ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden können.

Die Beiträge steigen auch bei einer Zusatzversicherung, je älter ich werden, aber in einem viel moderateren Maße als bei einer privaten Krankenversicherung.

Eigentlich ist es schade, dass ich privat den Versicherungsschutz einer gesetzlichen Versicherung erweitern muss um in einem Gesundheitssystem gut versorgt zu werden. Besonders vor dem Hintergrund, dass ich als gesetzlich Versicherter, die viel höheren Beiträge bezahle.

Solange es das System so gibt – Änderung nicht in Sicht – kann ich nur dazu Raten den Versicherungsschutz zu erweitern.
Bei Finanzen.de*  oder Tarifcheck24* können Sie sich über die Krankenzusatzversicherungen informieren lassen. Oder Sie gehen direkt zu einer der Versicherunfsgesellschaften wie zum Beispiel der Hanse Merkur und lassen sich dort über eine Krankenzusatzversicherung informieren. (Den Chefarzt bitte! Die stationäre Zusatzversicherung der HanseMerkur!*)

 

Welche Erfahrungen haben Sie.

Besitzen Sie eine private Krankenzusatzversicherung.

Wie sind ihre Erfahrungen mit Spezialisten?

Ich freue mich über Ihre Kommentare.