Zu wenig und zu spät genutzt – Reha für pflegende Angehörige

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Pflegende Angehörige kümmern sich in den meisten Fällen Rund-um-die-Uhr um ihren pflegebedürftigen Angehörigen. Nicht selten vergessen Sie dabei, an sich zu denken. Vielleicht weil dafür dafür keine Zeit mehr bleibt. Mit meinem heutigen Beitrag möchte ich alle pflegenden Angehörige daran erinnern und dazu ermutigen, trotz des herausfordernden Alltag, auch an sich selbst denken. Eine Möglichkeit dazu ist eine Rehabilitation oder Kur.

Was unterscheidet einen pflegenden Angehörigen von (anderen) Berufstätigen

Wenn wir einen pflegenden Angehörigen mit einem berufstätigen Menschen vergleichen dann wird schnell deutlich, dass es dringend notwendig ist, immer wieder Zeiten der Entlastung in den Alltag zu integrieren.

  • Alle Berufstätigen haben regelmäßige Arbeitszeiten und dadurch wechseln sich Freizeit und Beruf ab.
    Pflegende Angehörige sind 24 Stunden an 7 Tagen der Woche im Einsatz.
  • Wer Berufstätig ist hat mindestens 24 Tage Urlaub im Jahr.
    Oft verzichten Angehörige auf die Möglichkeit der Entlastung durch Kurzzeitpflege, da Sie dem pflegebedürftigen Menschen einen kurzzeitigen Ortswechsel nicht zumuten möchten.

Sicher würden sich noch einige Vergleichsmöglichkeiten mehr finden lassen, die verdeutlichen, dass die Belastung von pflegenden Angehörigen deutlich höher ist. Ich finde diese beiden Beispiele zeigen um zu zeigen, dass der Alltag belastend sein kann. Sind Sie selbst pflegender Angehöriger muss ich Ihnen sowieso nicht erklären wie belastend diese Aufgabe sein kann.

Eine deutliche Steigerung der Belastung entsteht, wenn beides zusammen kommt. Wenn der pflegende Angehörige noch berufstätig ist.

Hier kommt zu dem alltäglichen Stress im Beruf, nach Feierabend, die Aufgabe sich um den pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern.

 

Sicherlich könnten Sie jetzt einwenden, dass es jeder Mutter ähnlich geht. Da haben Sie recht. Die Situationen können verglichen werden. Auch Mütter müssen auf sich achten und Zeit finden um sich selbst zu pflegen.

Trotzdem gibt es auch hier Tatsachen, die für eine höhere Belastung der pflegenden Angehörigen sprechen.

  • Bei Kindern ist davon auszugehen, dass sie, je älter Sie werden, selbstständiger werden.
    Bei pflegebedürftigen Menschen ist  in den meisten Fällen das Gegenteil der Fall.

Die durchschnittliche Dauer der Pflegebedürftigkeit beträgt 2, 5 Jahre. Nicht selten entstehen im Laufe der Pflegebedürftigkeit immer wieder neue Situationen. Auf die muss sich der Angehörige immer wieder neu einstellen.

 

 

Bevor es zu spät ist

Es ist allgemein anerkannt, dass unsere derzeitige Arbeitswelt dazu führen kann, dass Menschen sich und ihren Körper derart überlasten, dass es in einem Überlastunsgsyndrom endet. Der häufig verwendete Begriff ist „Burn-Out“.

 

Wenn Sie sich die Belastungen, die ich oben geschildert habe nochmal ansehen, dann verwundert es nicht, dass auch pflegende Angehörige sich, durch die Pflege, derart überlasten können.

Besonders gefährlich – da deutliches Zeichen zu handeln – sind Symptome wie:

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung,
  • nachlassende Leistungsfähigkeit,
  • psychosomatische Beschwerden, wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen, aber auch Symptome eines Herzinfarktes(ohne körperliche Ursache)
  • Rückzug,
  • Innere Leere,
  • Sinnverlust

 

Jedes Symptom für sich, kann ein Hinweis auf eine Überlastung sein.

 

Damit Sie, als pflegender Angehöriger nicht in diese Spirale der Überlastung kommen. Sollten Sie alle möglichen Hilfsangebote in Anspruch nehmen und sich regelmäßig selbst pflegen.

 

Eine Möglichkeit um für eine längere Zeit komplett aus dem Alltag heraus zu kommen, ist eine Rehabilitation oder Kur.

 

Der Weg zur Reha/Kur

Am besten ist, wenn Sie sich an Ihren Hausarzt wenden. Er hat die entsprechenden Antragsformulare und kann Ihnen beim Antrag behilflich sein.

Arten der Reha

Es gibt drei unterschiedliche Arten, die für Sie in Frage kommen.

 

stationäre Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahme

Sie werden in einer entsprechenden Einrichtung den ganzen Tag mit Anwendungen und Gesprächen/Schulungen zur Rehabilitation versorgt.  Es geht darum, dass die körperlichen Symptome einer Überlastung behandelt werden und Sie dazu befähigt werden, die Überlastungen in Zukunft zu begrenzen.

Es gibt inzwischen Einrichtungen, die spezielle Angebote für pflegende Angehörige anbieten. Dort wird auf die besonderen Herausforderungen eingegangen, die pflegende Angehörige meistern müssen. Zum Beispiel bekommen Angehörige Schulungen zu Krankheiten oder Pflegetechniken.

 

ambulante Vorsorge- oder Rehabilitationskur

Bei einer Kur geht es darum der Überlastung vorzubeugen. Den Ort der Kur können Sie weitestgehend selbst bestimmen.

 

Ambulante Rehabilitationsmaßnahme

Der Unterschied zur stationären Rehabilitationsmaßnahme besteht lediglich darin, dass Sie nur die Anwendungen und Gespräche/Schulungen in Anspruch nehmen. Diese Art ist selbstverständlich nur möglich, wenn eine Einrichtung in Ihrer Umgebung ist.

 

Ablehnung und dann

Kennen Sie auch die Berichte von Bekannten, Freunden oder dem Dorftratsch?

 

„Eine Reha musst du gar nicht beantragen, die wird sowieso abgelehnt. “

 

Dem zweiten Teil dieser Aussage stimme ich zu 50 % zu.

 

Es kann sein, dass der Antrag zur Reha zuerst einmal abgelehnt wird.

Dieser Ablehnung können Sie innerhalb von vier Wochen widersprechen. Das sollten Sie auch tun.

Die Chance ist sehr hoch, dass der erste Antrag abgelehnt wird. Aber die Erfahrung zeigt, dass die Chance noch viel höher ist, dass nach einem Widerspruch die Maßnahme genehmigt wird.

 

Wer kümmert sich um meinen pflegebedürftigen Angehörigen?

Es ist eine berechtigte Sorge von pflegenden Angehörigen. Wer kümmert sich in Ihrer Abwesenheit um den pflegebedürftigen Angehörigen. Darüber sollten Sie sich schon frühzeitig Gedanken machen.

Sie haben eine Reihe von Möglichkeiten:

Pflege zu Hause

Der pflegebedürftige Mensch bleibt in seiner gewohnten Umgebung und über Leistungen der Verhinderungspflege kümmern sich Nachbarn, Verwandte, Freunde, oder ein Pflegedienst um die Pflege.

Pflege in einer Einrichtung

Der pflegebedürftige Mensch zieht für die Zeit ihre Abwesenheit in ein Pflegeheim oder ein andere Einrichtung, die die Möglichkeit hat Kurzzeitpflege anzubieten. Hierfür stehen Ihnen pro Jahr bis zu 8 Wochen zur Verfügung. (Sofern Sie in diesem Jahr noch keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen haben)

Begleitung zur Kur

Es gibt inzwischen Reha- und Kureinrichtungen, die bieten die Pflege von Angehörigen im selben Gebäude/ Gelände an. Oder Kooperieren mit Pflegeeinrichtungen in Ihrer Umgebung. Dazu wird die Leistung mit der Pflegekasse über das Kurzzeitpflegebudget abgerechnet.

Eine Möglichkeit dazu finden sie unter Alzheimertherapiezentrum.de oder unter vital-kliniken.de

 

Gemeinsame Auszeit

Vielleicht würde es Ihnen schon reichen, mal wieder an einen anderen Ort zu kommen.
Andere Menschen zu sehen und auch mal andere Landschaften zu sehen, andere Luft zu schnuppern.

Dann ist das Angebot, dass Sie bei Wohlfahrtsverbänden oder einigen privaten Anbietern finden das richtige für Sie.
Der gemeinsam Urlaub, speziell für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige.
Je nach Anbieter haben die Angehörigen, durch spezielle Betreuung, Zeit Kraft zu tanken und Zeit für sich.

Anbieter sind zum Beispiel:

Deutsches Rotes Kreuz betreutes Reisen

Urlaub & Pflege

Aber auch Reiseanbieter bieten barriere-freie Hotels an:


 

 

FAZIT

Was Mütter und pflegende Angehörige leisten verdient allerhöchsten Respekt.
Deswegen ist es mir ein Anliegen Sie dazu zu ermuntern die eigene Pflege nicht zu vernachlässigen.

 

Aus diesem Grund rate ich jedem Angehörigen der sich um die Pflege eines Menschen  angenommen hat, nach einem Jahr eine Kur oder Rehabilitationsmaßnahme zu beantragen.

 

Der Mensch den Sie pflegen hat nichts davon, wenn Sie durch die Pflege an Ihr körperliches Limit gelangen.

 

Lassen Sie sich von einer Ablehnung des Antrages nicht entmutigen. Widersprechen Sie und weiter geht’s. Ich kann es verstehen, wenn Sie keine Kraft oder Lust haben, auch noch für sich selbst zu kämpfen. Trotzdem lohnt es sich.

 

Eine Reha- oder Kurmaßnahme gibt Ihnen wieder Kraft um weiter gute Pflege leisten zu können.
Oder vielleicht auch die nötige Distanz um zu innerer Klarheit zu gelangen, um die Pflege anders organisieren zu können.
Zu Ihrem eigenen Wohl und dadurch auch zum Wohl ihres Angehörigen, den Sie pflegen.

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