Pflegeheim: Zu teuer oder Abzocke?

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Ist ein Pflegeheim sein Geld wert? Sind die Einrichtungen nicht viel zu teuer? Die ziehen den Menschen das Geld aus der Tasche und lassen sie dann vor sich hin krepieren. Für das, was die Pflegeheime leisten, ist es unverschämt so viel Geld zu verlangen.

Diese und ähnliche Aussagen höre ich, wenn ich mit unzufriedenen Angehörigen oder mit Menschen rede, mit denen ich einfach so auf dieses Thema gekommen bin.

Sind diese Aussagen wirklich gerechtfertigt? Im heutigen Artikel soll es darum gehen was ein Pflegeheim so „teuer“ macht und wie sich die Kosten tatsächlich zusammensetzen. Ich hoffe Sie sind genauso gespannt, wie ich es bin, ob sich tatsächlich am Ende der Betrachtung der Spruch: Pflegeheime sind viel zu teuer!!! als Wahrheit herausstellt.

Was kostet ein Pflegeheimplatz?

Wie sich die Kosten für das Pflegeheim zusammensetzen und wovon die Höhe abhängt, das können sie auf der Seite Pflegeheim Kosten nachlesen.

Sehen wir uns die Summe, die der Pflegeheimplatz bei Pflegestufe 2 in einem Baden-Württembergischen Pflegeheim pro Monat (bei 31 Tagen Anwesenheit/ Stand 30.9.2015) kostet:

3.538,65 €

Dieser Betrag für sich gesehen ist ein enormer Batzen Geld. Das ist mir völlig klar und gerade als Selbstständiger weiß ich, was es bedeutet so eine Summe pro Monat verdienen zu müssen.

Ist diese Summe für einen Pflegeheimplatz gerechtfertigt?

Ich möchte diesen Betrag gemeinsam mit Ihnen verkleinern und in seine Einzelteile zerlegen.

Verkleinern bedeutet nicht, dass ich etwas wegrechne. Nein. Hochgerechnet bleibt immer der oben genannte Betrag.

Lassen Sie uns ansehen wie viel ein Pflegeheimplatz am Tag kostet. Ich bin mir sicher, wenn Sie Ihren Urlaub buchen, dann sehen Sie nach dem Gesamtpreis und dann was die Nacht in der Unterkunft kostet.

Der oben genannte Preis von 3.538,65 € pro Monat geteilt durch 31 Tage Anwesenheit ergibt einen Tagessatz von:

114,15 €

Sie dürfen ruhig ehrlich sein.
Vergleichen Sie das einmal mit einem Tag Urlaub.
Haben Sie mehr bezahlt? Weniger?

Sehen wir uns nach einem 4 Sterne Hotelzimmer in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg in Stuttgart um. Dann landen wir durchschnittlich bei einem ähnlichen Preis pro Nacht.

Hotelpreis vergleichbar?

Der Vergleich mit einem Hotelzimmer funktioniert aber nicht. Sie können sich vorstellen, dass sich die Leistungen in Hotel und Pflegeheim unterscheiden.

Von unseren 114,15 € die am Tag zur Verfügung stehen entfallen:

  • für Unterkunft: 13,92 €
  • für Verpflegung (Vollpension) 11,38 €

11,38 € am Tag für Verpflegung an einem Tag. Das ist nicht viel. Auf jeden Fall ist es weit entfernt von zu teuer.

Wenn Sie jetzt den Betrag noch durch 5 Mahlzeiten rechnen. Ein Pflegeheim ist verpflichtet so viel anzubieten. Würden Sie mit diesem Betrag ein vernünftiges Essen auf den Tisch zaubern können?

Ja, das kann man, und das beweisen viele Pflegeheime.

Ich wünschen mir, dass wir irgendwann dahin kommen, dass es in jedem Pflegeheimen gutes Essen gibt. Das erfordert zwar viel Engagement der Küchenmitarbeiter. Auch um mit diesem Betrag zurecht zu kommen. Aber Essen ist eine der Möglichkeiten um das Wohlbefinden zu steigern.

Facharbeiterstunde

Kommen wir zum größten Betrag. Dem Betrag, der für das Personal ausgegeben wird.

Bevor ich Ihnen den Betrag nenne, liste ich Ihnen auf, was davon bezahlt wird.

Der größte Anteil entfällt auf das Pflege-Personal.  Es ist  24 h, rund um die Uhr anwesend. Bei einer 24 h Stunden Abdeckung muss immer mit eingerechnet werden, dass nicht nur die anwesenden Mitarbeiter Geld kosten, sondern auch die Mitarbeiter, die im Freizeitausgleich sind.

Zusätzlich benötigen Sie Mitarbeiter der Verwaltung, der Leitung. Auch der Hausmeister ist ein wichtiger Mensch. Sorgt er doch Tag für Tag für ein schönes Ambiente.

Für all diese Menschen haben Sie, von den 114,15 €

pro Tag: 77,37 €

zur Verfügung.

Vergleichen Sie dies mit einem Stundensatz in ihrer KFZ-Werkstatt.  Dieser liegt derzeit je nach Region unterschiedlich meist um die 100 €. (den Betrag für Ihre Region finden Sie unter http://www.dekra.de/de/927)

Sonstige Kosten

Das Heim, dass die oben genannten 114,15 € als Tagessatz verlangt, hat mit den Kostenträgern eine Investitionskostenpauschale von 10,40 vereinbart und jeder Pflegeheimbewohner investiert pro Tag über die Ausbildungsumlage 1,08 € in die Zukunft – um in 10 Jahren überhaupt noch ausgebildete Pflegekräfte zu haben.

FAZIT

Betrachten wir die Zahlen im Einzelnen, dann bin ich mir sicher, sie stimmen mir zu:

Die genannten Beträge sind nicht zu hoch und wir sind weit entfernt, von Wucher oder Überfluss.

Aber!!!

Für den einzelnen Menschen – Monat für Monat –  einen Betrag von 2.208,65 € aufzubringen, das ist nicht ohne. Es ist eine hohe Summe. Die da nach Abzug des Zuschusses der Pflegeversicherung, immer noch selbst übernommen werden muss.

Hier muss gut geplant und ehrlich kalkuliert werden, damit am Ende keine böse Überraschung und Ärger wartet.

Wie Sie heute schon Vorsorgen können erfahren Sie auf der Seite: Pflegezusatzversicherung

Aber!!!

Es wäre ungerecht zu behaupten, dass die Pflegeheime das Geld nicht wert sind.

Die große Mehrheit der Pflegeheime sind es Wert.

Vor allem die große Mehrheit der Menschen, die in diesen Pflegeheimen bis an ihre Grenzen die Arbeit erbringen und die oft aus Idealismus, sich für die Pflege entschieden haben. Sie sind es Wert, dass ihre Einsatzbereitschaft als Wertvoll bezeichnet wird und nicht als zu teuer.

Gleichwohl gilt es die schwarzen Schafe zu benennen. Jedes Pflegeheim muss für sein Geld gute Pflege leisten. Immerhin werden die liebsten Menschen einem Pflegeheim anvertraut. Sie haben es verdient gut gepflegt zu werden.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen? Empfinden Sie die Kosten für ein Pflegeheim als zu teuer? Waren Sie froh, dass Ihr Angehöriger in ein Pflegeheim umziehen konnte?

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5 Responses to Pflegeheim: Zu teuer oder Abzocke?

  1. Der Fehler in der obigen Berechnung ist meiner Ansicht nach, dass ja nicht eine Pflegekraft nur für eine Person abgestellt wird. Nach Aussagen in meinem Bekanntenkreis haben diese Kräfte meist 10 oder mehr Personen zu betreuen.
    Damit sieht die Rechnung ja dann ganz anders aus. Beispiel 20 „zu Pflegende“ bei 6 Pflegekräften /wegen Rotation im Schichtdienst), plus Koch plus Hausmeister. Monatlich rein kommen so rund 70.000 €.
    Abzgl. der Personalkosten von rund 24.000 € verbleiben 46.000 € pro Monat , mehr als ausreichend denk ich mal. Nicht umsonst sagte ein Bekannter von mir mal, am Besten seien Stufe3 Pflegebedürftige, da man da am meisten dran verdient. Heutzutage ein Pflegeheim eröffnen ist ein Bombengeschäft.

    • Vielen Dank für deinen Beitrag.
      In meiner oben genannten Berechnung habe ich nicht zu Grunde gelegt, dass eine Pflegeperson für einen Bewohner zuständig ist.
      Es ist sicherlich richtig, dass abzüglich Personalkosten, noch 46.000 € übrig bleiben.
      Wobei die Personalkosten sicherlich noch etwas höher ausfallen dürften, da die vorgeschriebenen Leitungskräfte und die notwendigen Verwaltungsausgaben noch berücksichtigt werden müssen.
      Es darf aber nicht vergessen werden, dass dieser Betrag nochmals geschmälert wird durch laufende Kosten bezüglicher der Unterkunft, der Verpflegung, Rückstellungen für Investitionen in Gebäude, Investitionen in die Ausbildung.
      Hier würde in deinem Beispiel noch mal ein Betrag von ca. 24.000 € zu Buche stehen. (wenn wir mal das vereinbarte zu Grunde legen)
      Wenn dann noch abgezogen wird, dass die 70.000 € brutto sind und noch andere Abgaben zu bezahlen sind und ich in meiner Auflistung den einen oder anderen Kostenfaktor nicht berücksichtigt habe.
      Dann bleibt ein Betrag übrig.
      Der als Gewinn immer noch ausreichend ist, den ich aber in einem legitimen Bereich sehe.

      Ich möchte keinen Pflegeheimbetreiber in Schutz nehmen und sagen, dass alles immer korrekt abläuft.
      Ich habe viele Pflegeheime kennen gelernt, die das erwirtschaftete Geld sinnvoll und zum Wohl der Bewohner eingesetzt haben.
      Dafür müssen sich auch Angehörige und das Umfeld einsetzen und interessieren.
      Für mich stellt sich immer die Frage wem dient die Diskussion, dass ein Pflegeheim zu teuer ist. Den Bewohnern?
      Ich kann aus meiner Sicht als Pflegekraft sprechen. Für mich schwingt in dieser Diskussion immer auch mit, dass die Arbeit der Pflegekräfte diesen Betrag nicht rechtfertigt.
      Und ich bin der Meinung, dass alles dafür getan werden muss, dass die Pflegekräfte viel besser bezahlt werden.

      Erlaube mir zum Schluss noch eine sehr kritische Bemerkung.
      Für mich ist es nicht verständlich, das ohne mit der Wimper zu zucken ein Auto für 40.000€ gekauft wird. Dann aber ein Pflegeheim mit einer monatlichen Zuzahlung von 2000€ viel zu teuer ist.
      Ich würde jetzt mal ohne belastbare Zahlen anführen zu können. Die Gewinnspanne eines Autos ist höher.

      Ich sehe hier ein Problem in unserer Gesellschaft.
      Was der Gesellschaft eine Arbeit wert ist zeigt sich in der Bezahlung…

  2. Hallo,

    eine interessante Aufstellung. Meine Mutter lebt in einer solchen Seniorenresidenz, sie zahlt fast exakt die vorgerechnete Summe. Allerdings ist dort nur das Mittagessen enthalten. Frühstück und Abendessen werden extra berechnet, ebenso eine „Bringpauschale“ für jede Mahlzeit.

    Seit einiger Zeit fallen mir dort in der „Pflegemappe“ ständig Einträge wie „Auf Wunsch von Frau T. Kaffee eingeschüttet“, oder „Fenster geöffnet“ oder „Licht eingeschaltet“ auf. Das sind Handreichungen, die geleistet werden, während des Pflegeeinsatzes der Schwester zur mordendlichen Grundpflege. Sie muss dafür also nicht extra kommen.

    Jetzt habe ich auf der Abrechnung gesehen, dass dieses Winzigkeiten als „Persönliche Dienstleistung“ mit 4,10 € abgerechnet werden. Im Monat waren es so rund 100 € Mehreinnahmen für die Residenz. Eine Tasse Kaffe einschütten – das dauert etwa 30 Sekunden. Wäre also ein Stundenlohn von 492 €. Ist so etwas noch normal? Ich möchte gar nicht wissen, wie damit Senioren abgezockt werden, deren Abrechnungen niemand mehr kontrolliert, die einfach einen Lastschrifteinzug unterschreiben haben.

    Es wäre toll, wenn Sie mir dazu Informationen geben könnten, z.B. an wen ich mich wenden könnte, um diese Art der Abrechnung zu überprüfen.

    Liebe Grüße,
    Birgitte

    • Hallo Brigitte,
      Vielen Dank für Deine Frage.
      Für die Beantwortung der Frage benötige ich mehr Informationen. Aus diesem Grund kontaktiere ich Dich per E-Mail.
      Vielleicht ist es möglich daraus einen neuen Artikel zu machen.
      Geht es anderen Lesern ähnlich?

      Gruß
      Thomas

    • Hallo Brigitte,

      es mochte Dir im ersten Moment sicherlich nicht „ganz koscher“ vorkommen, aber der Posten der als „persönliche Dienstleistung“ (mit 4,10 €) aufgeführt wird, betrifft den so genannten „Vergütungzuschlag“, der je nach Einrichtung bei 4-6 € liegt.

      Allerdings sind in diesem Vergütungszuschlag natürlich nicht die selbstverständlichen allgemeinen Pflegeleistungen wie „Kaffee einschenken“ und „Licht einschalten“ gemeint, sondern die so genannten „zusätzlichen Betreuungsleistungen nach § 87 b SGB XI“, womit z.B. Malen und Basteln, Spaziergänge und Ausflüge, Haustiere füttern und pflegen etc. gemeint sind.

      Fachtechnisch spricht man hier von den „Leistungen zur Aktivierung und Betreuung des anspruchsberechtigten Verbraucher, die das Wohlbefinden, den physischen Zustand oder die psychische Stimmung der betreuten Menschen positiv beeinflussen können.“
      Dies wird als „persönliche Dienstleistung“ und einem Vergütungszuschlag (mit 4,10 €) verrechnet.
      Dieser Zuschlag wird i.d.R. aber vollständig von der Pflegekasse getragen !

      Die Eintragungen in der Pflegemappe, wie z.B. „Kaffee einschenken“ und „Licht einschalten“ etc. sind einzig rein protokollarischer Natur als quasi Arbeitsnachweis des Pflegers und diese Leistungen gehören selbstverständlich zu den allgemeinen Pflegeleistungen und sind bereits im Entgelt für den „Pflegeanteil“ enthalten und nicht etwa als „zusätzliche Betreuungsleistungen“ bzw. als von Dir befürchtete „Abzocke“ misszuverstehen.

      Im Fazit zusammengefasst:
      Es hat alles seine Richtigkeit und dahinter steckt auch wirklich keinerlei Abzocke, ganz im Gegenteil.

      Wenn ich diesbezüglich als Vergleich folgendes nehmen darf:
      Finde doch einmal z.B. eine Kita und Tagesmutter, die für 4,10 € täglich (!), ein Kind mit Buddelschippe und Sandeimer, Geschichten vorlesen, basteln, malen, puzzeln, spielen etc. bespaßt.
      Allerdings hat man als Tagesmutter ebenfalls nicht nur ein Kind, sondern gleich eine ganze „Meute“ mit o.g. Beschäftigungen zu betreuen 😉

      Liebe Grüße
      Andreas

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